Alternative Hardware und Betriebssysteme
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Gliederung
Digitale Systeme – eine Einordnung
Wir sind es gewohnt, auch digitale Systeme über ihre sichtbaren oder greifbaren Geräte zu beschreiben. Ein Smartphone oder ein Laptop werden in ihrer Eigenschaft als Gerät verstanden, obwohl sie in Wirklichkeit aus vielen Komponenten von Hard- und Software bestehen. Selbst abstrakte Begriffe wie Software oder Daten werden oft durch Bilder aus der dinglichen Welt erklärt: Wir „speichern etwas in einem Ordner“, „werfen etwas in den Papierkorb“ oder „legen etwas in die Cloud“ (obwohl die wenigsten wissen, was „die Cloud“ überhaupt sein kann). Solche Begriffsübertragungen sind normal. Wir Menschen neigen dazu, schwer fassbare Konzepte über Metaphern und Analogien verständlich zu machen, um komplexe Vorgänge über vertraute Alltagsbilder zu begreifen.
Für ein besseres Verständnis von digitalen Systemen und ihrer Alternativen ist es jedoch besser, deren verschiedene Funktionen und Orte, an denen sie ihre Wirkung entfalten, etwas differenzierter zu betrachten.
Anwendungssoftware – egal ob sie auf lokal, auf dem eigenen „Gerät“ betrieben wird oder auf zentralen Systemen läuft – ist der Teil der digitalen Welt, mit dem wir unmittelbar arbeiten: Hier werden Daten erfasst, gespeichert, verarbeitet und wieder ausgegeben. Wenn unsere digitale Unversehrtheit verletzt wird, geschieht das meist durch übergriffige Software und Dienste, nicht durch abstrakte Buzzwords* wie „Cloud“, „Algorithmen“, „Big Data“ oder „Künstliche Intelligenz“. Auch bei Hardware-Marken oder Betriebssystemen – und nebenbei erwähnt auch bei Algorithmen – gilt: Sie sind nicht von Natur aus „sicher“ oder „unsicher“ – entscheidend ist, wie sie genutzt und geschützt werden.
* = Die genannten Begriffe sind aus technischer Sicht zweifellos von großer Bedeutung, sie werden jedoch häufig als Modewörter („mehr Eindruck als Inhalt“) verwendet.
Eine weitere grobe Unterteilung finden Sie nachfolgend:
- Algorithmus
Ein Algorithmus ist eine eindeutige, schrittweise Handlungsanweisung zur Lösung eines Problems – oder in diesem Zusammenhang z. B. zur Verarbeitung von Daten. Ohne Algorithmen gäbe es keine digitalen Systeme. Algorithmen können für nützliche, gute oder schädliche Zwecke entwickelt und eingesetzt werden. - Hardware (einschließlich hardwarenaher Software)
Grundlegende physische Geräte wie Prozessor, Speicher, Datenträger und Netzwerkschnittstellen, ergänzt um systemnahe Software (Firmware, BIOS/UEFI, …), die unmittelbar für den Start und die grundlegende Steuerung zuständig ist. - Betriebssystem
Vermittelt zwischen Hardware und Software. Die bekanntesten Betriebssysteme sind z. B. Microsoft Windows, Linux, Apple macOS, Apple iOS, Apple iPadOS und viele andere). Betriebssysteme enthalten auch Softwarekomponenten, die Geräte auf technischer Ebene ansprechbar machen (Treiber / engl.: Driver). - Systemsoftware
Programme, die für den Betrieb und die Verwaltung notwendig sind, aber nicht direkt zur „Anwendung“ gehören – z. B. Dateisystemverwaltung, Sicherungs- und Verwaltungswerkzeuge oder Virtualisierungsumgebungen. - Anwendungssoftware / Apps
Programme, mit denen Nutzer ihre eigentlichen Aufgaben erledigen: Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Bildbearbeitung, Browser, Kommunikationssoftware usw. Anwendungssoftware läuft grundsätzlich nur auf dem Betriebssystem, für das sie erstellt wurde. Anwendungssoftware wird oft in verschiedenen Versionen für mehrere Betriebssysteme erstellt. Anwendungssoftware kann sowohl auf den lokalen digitalen Systemen der Anwender, als auch an zentralen Stellen laufen und Dienste über ein Netzwerk zur Verfügung stellen. Anwendungssoftware, egal ob lokal oder auf zentralen Systemen betrieben, ist die digitale Komponente, mit der bzw. die Daten erfasst, gespeichert, verarbeitet oder ausgegeben werden. - Daten
Inhalte, die durch den Nutzer erstellt, verarbeitet oder gespeichert werden. Sie können lokal oder verteilt vorliegen. Fragen der Portabilität, des Formats und der Sicherheit sind hier entscheidend. - Internetdienste
Angebote und Plattformen, die über das Netz genutzt werden – E-Mail-Dienste, Multimediaangebote (Filme, Serien, Musik, Hörbücher, …), soziale Netzwerke, …. bis hin zu (den traditionellen) Online-Speichern.
Der Begriff „Cloud-Dienste“ wird oft allein für „Online-Speicher“ verwendet. Tatsächlich handelt es sich bei Clouds aber im Kern um Geschäftsmodelle, bei denen – stark verallgemeinernd ausgedrückt – auf entfernten digitalen Systemen verschiedene Dienste (nicht nur Speicherplatz, sondern auch Funktionen von Anwendungssoftware) bereitgestellt werden.
An anderen Stellen finden Sie eventuell eine andere Unterteilung, die im wesentlichen jedoch keine anderen Feststellungen trifft.
Alternative Anbieter von Hardware
Anbietern alternativer Hardware fällt es im Grunde immer schwer, bei den Großkonzernen der Digitalwirtschaft hinsichtlich Preis, Technik und Bedienungskomfort mitzuhalten. Oft erhält man für den Preis von Hardware der technischen „Oberklasse“ solche aus der oberen Mittelklasse. Es gehört ein ordentliches Maß an gutem Willen dazu, bei der Beurteilung der Preiswürdigkeit Prinzipien der ökologischen Nachhaltigkeit, des fairen Wettbewerbs oder von Bürgerrechten (Wahlfreiheit oder Datenschutz) zu berücksichtigen.
Es gibt trotzdem genügend Gründe, auch bei der Hardwareauswahl auf alternative Anbieter zu setzen. Dazu zählen
- Preis-Leistungs-Verhältnis – Weniger bekannte Hersteller bieten zuweilen ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als die großen Marken. Durch geringere Marketingkosten und Gewinnspannen können sie ihre Produkte günstiger anbieten.
- Spezialanforderungen – Manche Hersteller haben sich auf bestimmte Nischen oder Spezialanforderungen spezialisiert, die von Mainstream-Herstellern vernachlässigt werden. Hier können alternative Anbieter die bessere Wahl sein.
- Aufrüstbarkeit und Reparierbarkeit – Einige kleinere Hersteller setzen auf ein modulares, reparaturfreundliches Design, das Aufrüsten und Reparaturen erleichtert. Dies kann die Lebensdauer der Hardware verlängern.
- Individualisierung – Alternative Hersteller ermöglichen oft mehr Konfigurationsmöglichkeiten, um die Hardware an die individuellen Bedürfnisse anzupassen.
- Unabhängigkeit – Durch die Nutzung alternativer Hersteller kann man sich von Monopolstellungen großer Marken unabhängig machen und hat mehr Auswahl.
- Ökologie / Umweltschutz – Zur Herstellung von elektronischen Bauelementen werden bestimmte Mineralien, auch „seltene Erden“ genannt, benötigt. Diese werden oft in Schwellenländern durch Kinderarbeit oder unter anderen, teils menschenunwürdigen Bedingungen gewonnen. Die Demokratische Republik Kongo wirft aktuell Apple vor, Rohstoffe illegal ausgebeutet zu haben.
- Nachhaltigkeit – Manche kleinere Anbieter legen mehr Wert auf Umweltaspekte wie Energieeffizienz, Recyclingfähigkeit und lange Produktlebenszyklen.
Ohne bestimmte Produkte ausdrücklich bevorzugen zu wollen, können unter den Gesichtspunkten der Förderung europäischer Anbieter oder solchen, die besonderen Wert auf alternative Betriebssysteme, Betriebskonzepte, Schutz der Privatsphäre und Nachhaltigkeit legen, nachfolgende Quellen genannt werden. Sie werden beispielhaft, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne Bevorzugung eines Anbieters aufgeführt; für die Inhalte sind allein die Anbieter verantwortlich):
Smartphones / Tablets
| FAIRPHONE (NL) | Modulare, reparaturfreundliche Smartphones; veröffentlicht quelloffene Komponenten und ermöglicht alternative OS-Wege (z. B. Fairphone-Open / Kooperationen). |
| Murena (F) | Smartphones mit /e/OS („de-Googled“ Android): standardmäßig ohne Datentransfers an Google, App-Lounge und Datenschutz-Funktionen ab Werk. |
| SHIFT (D) | Modularer, gut reparierbarer Smartphones (z. B. SHIFTphone); Nachhaltigkeit und Langlebigkeit als Produktprinzip. |
| Volla (D) | Volla-Phones mit Volla OS (Android ohne Google) oder Ubuntu Touch; teils Multi-Boot-Option für beide Systeme. |
| Punkt. (CH) | Smartphones mit Android ohne Google-Komponenten und einer minimalistischen Benutzeroberfläche. |
| NOTHING (R) (GB) | Smartphones mit teils innovativen Gehäuseformen unter Android (Standard) sowie weitere Multimedia-Komponenten. |
| HMD (FI) | Smartphones und Tablets mit Android (Standard) sowie unter der Marke Nokia auch Mobiltelefone. |
Hinweise, Tipps und Hilfen zur Installation von Android-Alternativen:
| tuta.com | Blogbeitrag des Anbieters sicherer E-Mail-Dienste tuta mit dem Titel „deGoogled Smartphones, designed in Europa: Fairphone, Volla, SHIFTphone, Punkt – ein Review“. |
| golem.de | Praxisartikel zum Umstieg auf alternatives Android – inklusive Datensicherung, Installation und Hinweisen zum Tracking-Schutz. |
| Handyhase.de | Überblick zu Android-Alternativen (u. a. Fairphone, Volla, PinePhone) und zugehörigen App-Quellen sowie Installationshinweisen. |
| stern.de | Artikel zu Linux-/Android-Alternativen wie Ubuntu Touch und GrapheneOS – Zielgruppen, Geräte-Einschränkungen und Installationshinweise. |
Laptops / Desktops
AfB social & green IT
AfB social & green IT ist nach eigenen Angaben „Europas größtes gemeinnütziges IT-Unternehmen und darauf spezialisiert, gebrauchte Business-IT zu übernehmen, zertifiziert zu löschen, aufzuarbeiten und wieder zu vermarkten“. Nicht mehr vermarktbare Geräte würden zerlegt und fachgerecht recycelt. Dies schone die Umwelt und spare wertvolle Ressourcen ein. AfB steht für „Arbeit für Menschen mit Behinderung“. Alle Prozessschritte sind barrierefrei, bei AfB arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung zusammen.
TUXEDO Computers
TUXEDO Computers ist ein deutscher Anbieter, der individuell konfigurierbare Notebooks und Desktop-PCs mit vorinstallierten Linux-Systemen (z. B. TUXEDO OS oder andere Distributionen; vollständig auf die Hardware angepasst) anbietet. Nachhaltigkeit zeigt sich u. a. durch langfristig nutzbare, gut konfigurier- und wartbare Hardware sowie den Wegfall unnötiger Lizenzkosten—ökologisch wie ökonomisch ein Vorteil. Der Support erfolgt direkt aus Deutschland (deutsch/englisch) mit Service für Europa; durch den Firmensitz in der EU gelten deutsches Recht und die DSGVO.
Die Geräte des US-amerikanischen Anbieters können bei der Bestellung individuell bestückt werden. Die meisten Komponenten sind von den Nutzern selbst austauschbar. Dazu sind keine besonderen Fähigkeiten erforderlich. Als Werkzeug wird nach Angaben des Herstellers lediglich ein Schraubendreher benötigt.
Einen ähnlichen Ansatz wie Framework scheint DELL Technologies zu planen. Das Vorhaben befindet sich aber noch in Entwicklung. Die Angaben auf der Webseite des Unternehmens stammen aus dem Jahr 2022
An- und Verkaufsdienste für gebrauchte Hardware
Es gibt eine Vielzahl solcher Anbieter. Einen gewissen Überblick verschafft die Webseite handyverkauf.net. Eine Übersicht zu Alternativen Mobilgeräten finden Sie unter anderem auf diesen Webseiten:
Alternative Betriebssysteme
Betriebssysteme wie Microsoft Windows, Apple macOS, Google ChromeOS, Android sowie Apple iOS/iPadOS haben die digitale Welt geprägt. Sie waren und sind die Grundlage für technologische Innovation, wirtschaftliche Entwicklung und die gesellschaftliche Verbreitung von Computern und mobilen Geräten. Ohne diese Plattformen wäre die heutige Informationsgesellschaft nicht denkbar. Sie haben Millionen von Menschen den Zugang zur digitalen Welt eröffnet, Arbeitsprozesse vereinfacht und völlig neue Branchen entstehen lassen.
Doch die Dominanz der wenigen Großkonzerne hat längst ihre Schattenseiten gezeigt. Manche Hersteller nutzen ihre Marktmacht, indem sie bewusst Inkompatibilitäten schaffen – sei es in den Benutzeroberflächen, den Dateiformaten oder durch technische Einschränkungen. So erschwert etwa Apple den Einsatz alternativer Produkte und bindet seine Nutzer eng an eigene Ökosysteme – was bereits zum Erlass von Strafzahlungen durch die Europäische Union geführt hat. Google und zunehmend auch Microsoft setzen auf Geschäftsmodelle, die viel zu weitgehend auf der Auswertung persönlicher Daten beruhen. Damit werden digitale Souveränität und Wahlfreiheit eingeschränkt.
Es gibt aber auch positive Ansätze der Integration: Windows erlaubt mit dem Windows Subsystem for Linux (WSL) die parallele Nutzung von Linux-Umgebungen. Android-Apps lassen sich inzwischen auf Windows-PCs ausführen, und Linux-Systeme können mit Windows und macOS in dualen Umgebungen betrieben werden.
Android
Wer heute ein Android-Mobilgerät nutzt, verwendet in den meisten Fällen nicht „Android“ im ursprünglichen Sinne, sondern eine stark angepasste Variante des Betriebssystems mit zahlreichen Zusatzdiensten – vor allem von Seiten der Gerätehersteller, aber auch von Google. Wenig bekannt ist, dass Android ursprünglich auf einem offenen Fundament basiert: dem Android Open Source Project (AOSP).
AOSP ist der frei verfügbare Quellcode des Android-Betriebssystems. Jeder kann ihn herunterladen, verändern und an eigene Geräte anpassen. Damit ist AOSP nicht einfach eine technische Grundlage, sondern auch Ausdruck einer Idee: Android sollte ursprünglich ein offenes, von vielen Akteuren gestaltbares System sein.
Android Open Source Project (AOSP)
Das Android Open Source Project (AOSP) ist die offene Codebasis, die als Grundlage für alle Android-Betriebssysteme dient. AOSP wird von Google gepflegt, steht jedoch unter einer Open-Source-Lizenz (Apache 2.0) und ist frei zugänglich. Es bietet Entwicklern die Möglichkeit, Android zu modifizieren, anzupassen und als Basis für alternative Android-Distributionen zu nutzen. AOSP enthält keine proprietären Google-Dienste oder herstellerspezifischen Anpassungen, sondern stellt einen „Baukasten“ für die Entwicklung von Android-Systemen dar.
Auf Basis von AOSP werden von Organisationen oder Unternehmen sog. Custom-ROMs erstellt. Der Begriff soll deutlich machen, dass es sich um eine für Kunden individuell angepasste („custom“) Version der ursprünglich im Gerätespeicher abgelegten Firmware („ROM“ = Read-Only Memory) handelt.
AOSP umfasst die Kernkomponenten des Betriebssystems Android.
Diese sind im Wesentlichen
- Linux-Kernel: Basis für Hardware-Kommunikation und Systemressourcen.
- Hardware Abstraction Layer (HAL): Ermöglicht die Kommunikation zwischen Hardware und Software.
- Android Runtime (ART): Führt Android-Apps aus.
- Kern-Apps und Dienste: Enthält grundlegende System-Apps wie Telefonie, Kontakte und Einstellungen.
- Keine proprietären Google-Dienste: Google Play Services, Google Play Store oder andere Google-Apps sind nicht enthalten.
AOSP wird von der Open Handset Alliance (OHA) überwacht, einem Konsortium aus über 80 Unternehmen, das offene Standards für mobile Geräte fördert. Die Codebasis ist öffentlich einsehbar und kann von jedem genutzt, modifiziert und weiterentwickelt werden, sofern die Lizenzbedingungen eingehalten werden
Hersteller wie Samsung, Sony oder Google nutzen AOSP als Grundlage für ihre Android-Versionen, ergänzen es jedoch um proprietäre Komponenten:
- Google Mobile Services (GMS): Enthält Google Play Store, Google Maps, Google Assistant und andere Google-Apps. Diese sind nicht Open Source und erfordern eine Lizenz von Google.
- Herstellerspezifische Anpassungen: Benutzeroberflächen wie One UI (Samsung) oder MIUI (Xiaomi), vorinstallierte Apps („Bloatware“) und zusätzliche Dienste, die oft Tracking und Werbung beinhalten.
- Treiber und Binärdateien: Hersteller fügen gerätespezifische Treiber hinzu, die für die Hardware-Funktionalität erforderlich sind, aber oft nicht Open Source sind.
Diese Anpassungen führen zu einer Fragmentierung des Android-Ökosystems, da jeder Hersteller seine eigene Version von Android pflegt. AOSP-basierte Alternativen verzichten bewusst auf diese Anpassungen und bieten stattdessen ein schlankeres, datenschutzfreundlicheres System
Vorteile von AOSP-basierten Systemen
AOSP-basierte Systeme enthalten keine vorinstallierten Apps oder Dienste, die von den Anwendern bzw. mit normalen Benutzerrechten nicht installierbar wären. Dies verhilft zu mehr freiem Speicherplatz, weniger Hintergrundprozessen und damit besserer Performance sowie grundsätzlich zu längerer Akkulaufzeit.
Da AOSP keine Google Play Services enthält, entfällt ein Großteil des Trackings, das mit Google-Diensten verbunden ist. Nutzer können alternative App-Stores wie F-Droid, Aurora Store oder Obtainium nutzen, die Open-Source-Apps ohne Tracking anbieten. Zudem können Datenschutzeinstellungen individuell konfiguriert werden [3][6].
Viele, aber nicht unbedingt alle, AOSP-basierte Projekte bieten Sicherheitsupdates für ältere Geräte, die von Herstellern nicht mehr unterstützt werden. Dies kann den sicheren Gebrauch der Geräte verlängern und die Sicherheit erhöhen.
AOSP erlaubt tiefgreifende Anpassungen des Systems, darunter Änderungen der Benutzeroberflächen (Themes, Icons), funktionale Erweiterungen (z. B. zusätzliche Datenschutzfunktionen) oder die Integration alternativer Dienste (z. B. MicroG als Ersatz für Google Play Services).
Herausforderungen und Grenzen von AOSP-basierten Systemen
Google hat mit Project Treble (2017) und Project Mainline (2019) die Architektur von Android verändert, um Updates zu vereinfachen. Dies hat jedoch dazu geführt, dass viele Funktionen aus dem AOSP-Kern in die Google Play Services verlagert wurden.
Viele Apps, insbesondere Banking-, Streaming- und Gaming-Apps, setzen Google Play Services voraus. Ohne diese Dienste können einige Apps nicht oder nur eingeschränkt funktionieren.
Alternativen wie MicroG versuchen, diese Lücke zu schließen, bieten jedoch nicht immer volle Kompatibilität
AOSP-basierte Systeme erfordern gerätespezifische Anpassungen (z. B. Treiber), die nicht immer verfügbar sind. Dies kann zu Funktionsausfällen (z. B. Kamera, WLAN) führen.
Die Installation von AOSP-basierten Systemen erfordert oft technische Kenntnisse (z. B. Entsperren des Bootloaders, Flashen der ROM). Für Laien kann dies eine Barriere darstellen.
Nicht alle Geräte werden von AOSP-basierten Projekten unterstützt. Die Verfügbarkeit hängt von der Community und den Entwicklern ab.
Sicherheit von AOSP-basierten Geräten
Auf jedem Android-Gerät wird nach dem Einschalten der Bootloader, ein grundlegendes Programm, welches das Betriebssystem lädt, gestartet. Der Bootloader prüft dabei, ob die Systemsoftware unverändert und vertrauenswürdig ist.
Standardmäßig ist der Bootloader bei den meisten Geräten gesperrt, sodass nur vom Hersteller freigegebene Software gestartet werden kann. Wird er entsperrt, können alternative Systeme wie Custom-ROMs installiert werden.
Das erhöht die Kontrolle über das Gerät, kann aber Sicherheitsmechanismen außer Kraft setzen und dazu führen, dass bestimmte Apps nicht mehr funktionieren. Zudem kann das Entsperren Auswirkungen auf Garantie oder Support haben.
Google hat mit Diensten wie SafetyNet und Play-Protect-Schnittstellen Möglichkeiten geschaffen, mit denen Apps den Gerätezustand prüfen und Zugriffe steuern können. Das führt dazu, dass alternative Android-Systeme im Alltag zuweilen eingeschränkt nutzbar sind. Wenn etwa der Bootloader offen bleibt oder Google-Dienste fehlen, verweigern viele Apps – etwa für Banking, Streaming oder Spiele – ihre Funktion.
Seit 2023 veröffentlicht Google Sicherheitsupdates für AOSP nur noch halbjährlich statt monatlich. Kritische Sicherheitslücken werden zwar weiterhin schnell behoben, weniger kritische jedoch nur noch quartalsweise. Dies erschwert es AOSP-basierten Projekten, monatliche Updates anzubieten.
Für Nutzer, die bewusst mehr Kontrolle und Schutz ihrer Privatsphäre anstreben, entsteht dadurch ein Spannungsfeld: Die gewünschten Freiheiten stehen häufig im Konflikt mit der praktischen Nutzbarkeit wichtiger Dienste.
AOSP-basierte Systeme
/e/OS
/e/OS ist ein AOSP-basiertes System mit dem klaren Ziel, ein möglichst alltagstaugliches Android ohne Google-Abhängigkeit bereitzustellen. Es wird vom französischen Unternehmen Murena entwickelt und vertrieben. Technisch basiert es auf AOSP und nutzt häufig microG als Ersatz für Google-Dienste, ergänzt um eigene Cloud-Dienste (z. B. für Kontakte, Kalender und Dateien). Ein großer Vorteil ist, dass /e/OS auch auf Geräten vorinstalliert angeboten wird, was den Einstieg deutlich erleichtert. Es läuft auf einer wachsenden Zahl unterstützter Smartphones, vor allem älteren Modellen. Besonderheit ist die Kombination aus Datenschutz, Komfort und fertigem Ökosystem, die es auch für weniger technikaffine Nutzer interessant macht. Einschränkungen ergeben sich gelegentlich bei Apps, die stark auf originale Google-Dienste angewiesen sind.
Volla OS
Volla OS ist ein alternatives Android-System des deutschen Herstellers Volla Systeme GmbH und wird primär auf den eigenen Geräten ausgeliefert. Es basiert auf AOSP und setzt auf einen minimalistischen, vereinfachten Ansatz, der besonders auf intuitive Bedienung abzielt. Eine Besonderheit ist die sogenannte „Springboard“-Oberfläche, die klassische App-Strukturen zugunsten eines suchbasierten Bedienkonzepts reduziert. Volla OS kann mit oder ohne Google-Dienste genutzt werden und unterstützt ebenfalls microG. Es ist in der Regel nicht für beliebige Fremdgeräte gedacht, sondern auf die eigene Hardware abgestimmt. Der Fokus liegt weniger auf maximaler technischer Kontrolle, sondern auf Einfachheit, Datenschutz und Alltagstauglichkeit. Damit richtet es sich bewusst auch an Nutzer, die ein „ruhigeres“ Smartphone-Erlebnis suchen.
GrapheneOS
GrapheneOS ist ein besonders sicherheitsorientiertes Android-System, das ausschließlich auf ausgewählten Geräten der Google Pixel smartphones läuft. Es basiert auf AOSP, verzichtet aber weitgehend auf klassische Android-Erweiterungen und setzt stattdessen auf tiefgreifende Sicherheits-Härtungen im Systemkern. Entwickelt wird es von einem unabhängigen Open-Source-Projekt (GrapheneOS-Team). Eine Besonderheit ist, dass Google-Dienste optional in einer Sandbox installiert werden können – sie laufen dann isoliert und mit eingeschränkten Rechten. Dadurch bleibt die App-Kompatibilität hoch, ohne die vollständige Kontrolle abzugeben. GrapheneOS gilt als eines der sichersten verfügbaren mobilen Betriebssysteme, ist aber stärker auf technisch interessierte Nutzer ausgerichtet. Die Geräteunterstützung ist bewusst eingeschränkt, um maximale Sicherheit und Update-Geschwindigkeit zu gewährleisten.
iodéOS
iodéOS ist ein AOSP-basiertes System mit Fokus auf Datenschutz und Werbeblockierung, entwickelt vom europäischen Projekt iodé. Es baut technisch auf LineageOS auf und integriert zusätzlich eine systemweite Blockierung von Tracking und Werbung. Wie /e/OS nutzt es häufig microG als Ersatz für Google-Dienste. iodéOS wird sowohl zur Selbstinstallation angeboten als auch auf bestimmten Smartphones vorinstalliert verkauft, was den Einstieg erleichtert. Es unterstützt eine Reihe gängiger Geräte, insbesondere solche, die auch von LineageOS unterstützt werden. Besonderheit ist die Kombination aus Datenschutzfunktionen „ab Werk“ und relativ hoher Alltagstauglichkeit. Nutzer erhalten damit ein System, das viele Schutzmaßnahmen bereits integriert, ohne dass umfangreiche Konfiguration notwendig ist.
LineageOS
LineageOS ist eines der bekanntesten und am weitesten verbreiteten Custom-ROMs und geht aus dem früheren Projekt CyanogenMod hervor. Es basiert direkt auf AOSP und verfolgt einen eher neutralen, vielseitigen Ansatz, ohne starken ideologischen Fokus auf Datenschutz oder Google-Freiheit. Google-Dienste können optional installiert werden, müssen aber nicht. LineageOS unterstützt eine sehr große Zahl von Geräten und ist damit besonders flexibel einsetzbar. Es wird von einer weltweiten Entwicklergemeinschaft gepflegt und regelmäßig aktualisiert. Typische Einsatzgründe sind längere Update-Versorgung, schlankes System ohne Herstelleranpassungen und hohe Anpassbarkeit. Es gilt oft als „Einstiegspunkt“ in die Welt der Custom-ROMs, weil es vergleichsweise stabil und breit verfügbar ist.
Linux entdecken
Kernel, Distributionen, Derivate, Oberflächen, Paketmanager, …. – Wer von Windows auf Linux wechseln möchte, stößt schnell auf bislang völlig unbekannte Begriffe.
Linux-Kernel
Der Linux-Kernel ist der zentrale Bestandteil des Linux-Betriebssystems. Er übernimmt die Steuerung der Hardware-Ressourcen (CPU, RAM, Festplatten, Peripheriegeräte) und stellt die Schnittstelle zwischen Hardware und Software dar. Im Gegensatz zu Windows, wo der Kernel fest in das Betriebssystem integriert ist, handelt es sich beim Linux-Kernel um ein eigenständiges, modulares Projekt.
Der Linux-Kernel ist Open Source und wird kontinuierlich von einer globalen Entwicklercommunity weiterentwickelt. Er bildet die Grundlage für zahlreiche Linux-Distributionen (z. B. Debian, Ubuntu, Fedora) und wird auch in Android-Geräten, Servern und eingebetteten Systemen eingesetzt.
Kompilieren des Linux-Kernels
Das Kompilieren des Linux-Kernels bezeichnet den Prozess, bei dem der Quellcode des Kernels in eine ausführbare Binärdatei übersetzt wird, die auf der spezifischen Hardware läuft. Dieser Schritt war früher oft notwendig, um Treiber nachträglich einzubinden, die Performance zu optimieren oder experimentelle Funktionen zu aktivieren – etwa für ältere oder spezielle Hardware.
Heute ist das manuelle Kompilieren in den meisten Fällen nicht mehr erforderlich. Moderne Linux-Distributionen liefern vorgefertigte, stabil getestete Kernel-Versionen mit, die automatisch aktualisiert werden. Nur in Nischenfällen – wie der Entwicklung neuer Kernel-Features, der Anpassung für eingebettete Systeme oder dem Testen von Patches – wird der Kernel noch selbst kompiliert.
Aktueller Linux-Kernel
Der neue Linux-Kernel 7.0 bringt vor allem viele kleine, aber praxisrelevante Verbesserungen mit sich. Dazu gehören eine bessere Unterstützung für neue Hardware, wie die kommenden Intel- und AMD-CPUs, sowie optimierte Treiber für Grafikkarten von Nvidia und AMD. Für Entwickler von Interesse ist die offizielle Unterstützung der Programmiersprache Rust im Kernel, was die Entwicklung sicherer Treiber erleichtert. Zudem gibt es Fortschritte bei einigen Dateisystemen (XFS und EXT4), die nun Fehler besser melden und teilweise selbst heilen können.
Für Distributionen, die kontinuierlich Updates ausliefern (Rolling Releases, wie z. B. Arch Linux oder Manjaro) bedeutet das, dass der neue Kernel meist schneller verfügbar ist. Nutzer solcher Systeme müssen aber auch mit möglichen Anfangsproblemen rechnen, da neue Kernel-Versionen hier oft als „experimentell“ markiert werden. Bei klassischen Distributionen (z. B. Ubuntu LTS oder Debian Stable) dauert es länger, bis der Kernel 7.0 standardmäßig angeboten wird, da diese auf Stabilität und ausgiebige Tests setzen.
(Stand: April 2026)
Distribution / Derivate
Eine Distribution (oft kurz „Distro“ genannt) ist eine vollständige Zusammenstellung von Linux-Kern, Benutzeroberfläche, Programmen und Verwaltungstools. Beispiele sind Debian, Fedora oder openSUSE. Ein Derivat ist eine Abwandlung einer bestehenden Distribution – etwa Linux Mint, das auf Ubuntu basiert, aber eigene Voreinstellungen und Oberflächen bietet.
Die Vielfalt der Distributionen bedeutet nicht, dass jede völlig anders ist. Unterschiede liegen zum Beispiel in der Benutzerfreundlichkeit für Linux-Einsteiger, Stabilität, Aktualität, Softwareverteilung der Oberflächengestaltung oder bei den Zielgruppen (Entwickler, Unternehmen, …). Einen praktischen Einstieg und eine Hilfestellung bei der Auswahl bietet distrochooser.de. Verschiedene Distributionen lassen sich zudem direkt im Browser testen, zum Beispiel über DistroSea.
Außerdem lassen sich fast alle Linux-Distributionen zunächst als „Live-System“ testen. Dabei wird der Rechner von einem entsprechend vorbereiteten Datenträger mit Linux gestartet („gebooted“). Linux wird jedoch nicht auf dem Rechner installiert und die vorhandene Betriebssysteminstallation bleibt ebenso wie die Daten völlig unangetastet. Eine Erläuterung finden Sie im letzten Abschnitt dieser Seite.
Oberflächen
Ein weiterer Aspekt sind die Benutzeroberflächen der Desktopumgebungen. Sie bestimmen, wie Menüs, Fenster und Symbole aussehen und wie die Bedienung funktioniert. Bekannte Oberflächen sind Gnome (eher modern, reduziert), KDE Plasma (flexibel, stark anpassbar), Cinnamon (klassisches Startmenü, an Windows angelehnt) oder Xfce (ressourcenschonend).
Softwareverteilung
Auf Linux-Systemen wird Software (für Anwendungen und andere Zwecke) grundsätzlich anders bezogen, als unter den Desktopbetriebssystemen Microsoft Windows oder Apple macOS. Es ist zwar auch unter Linux möglich, Software von einer Quelle über das Internet herunterzuladen und zu installieren. Dies birgt jedoch auch große Gefahren hinsichtlich der Sicherheit.
Der übliche Bezug von Software unter Linux gleicht eher dem auf Mobilgeräten. Dort holen Sie Apps meist aus einem zentralen App‑Store, auf dem Angebote kuratiert (redaktionell geprüft, beschrieben und sinnvoll eingeordnet) und automatisch aktualisiert werden. Auch unter Windows, erst recht aber unter Linux gibt es ein ähnliches Prinzip: Programme kommen aus zentralen Paketquellen (Repositories), und ein Paketmanager installiert, aktualisiert und entfernt sie für Sie. Das spart Zeit, reduziert die Gefahr von Fehlbedienungen und sorgt für verlässliche Updates aus bekannten Quellen.
Bei den verschiedenen Linux-Distributionen gibt es allerdings einige Unterschiede bei der Softwareverteilung, bei Softwarebibliotheken oder Verzeichnisstrukturen. In der Praxis wirken sich diese Unterschiede jedoch selten spürbar negativ aus. Größere, bekannte und häufig genutzte Anwendungen werden oft für verschiedene Paketmanager angeboten (sofern sie nicht schon standardmäßig in die Betriebssysteminstallation eingebunden sind). Als Beispiel können Sie sich hier die Optionen zur Installation von LibreOffice unter verschiedenen Paketmanagern anschauen.
Eine allgemeine Anleitung, wie Sie Software aus Repositories verschiedenen Linux-Distributionen, aber auch unter Microsoft Windows, herunterladen können, finden Sie hier auf einer besonderen Seite.
Kritische Aspekte
Ubuntu gilt als einsteigerfreundlich und weit verbreitet, stand aber mehrfach in der Kritik, weil bei oder nach der Installation Optionen aktiviert waren, die Daten an externe Server übermitteln. Zwar lassen sich diese Funktionen deaktivieren, wer besonderen Wert auf Privatsphäre legt, sollte sich dieser Aspekte bewusst sein.
Die von Ubuntu abgeleiteten Derivate, wie z. B. das sehr beliebte Linux Mint, gelten dagegen als unproblematisch hinsichtlich des Schutzes der Privatsphäre.
Übersicht bekannter Distributionen
- Debian: sehr stabil, Grundlage vieler anderer Systeme, mit freier Software als Kernprinzip.
- Ubuntu: benutzerfreundlich, große Gemeinschaft, aber mit kritischen Aspekten bei der Voreinstellung zur Datenerfassung.
- Linux Mint: stark an Windows angelehnt, besonders für Einsteiger geeignet, basiert auf Ubuntu.
- Fedora: technisch aktuell, von Red Hat unterstützt, schneller Zugang zu neuen Entwicklungen.
- openSUSE: in Deutschland weit verbreitet, flexibel (Leap = stabil, Tumbleweed = rolling release).
Hilfen bei der Auswahl von Linux-Distributionen
- Kuketz-Blog Empfehlungsecke – praxisnahe Einschätzungen zu Distributionen aus Sicht von Datenschutz und Sicherheit
- distrochooser.de – Fragt vorgesehene Einsatzzwecke und Vorlieben ab und gibt darauf basierend Empfehlungen für bestimmte Linux-Distributionen
- distrosea.com – Hier können verschiedene Linux-Distributionen online – ohne Installation auf dem eigenen Rechner – getestet werden
- DistroWatch.com – Vergleich vieler Linux-Distributionen nach den wichtigsten Eigenschaften; tlw. englisch und deutsch
- Tuxedo Computers – Vergleich der bekanntesten Linux-Distributionen
Weiterführende Informationen liefert auch der Wikipedia-Artikel zu Linux.
Linux-Live-System erstellen und nutzen
Mit einem Linux‑Live‑System können Sie Linux gefahrlos testen, Fehler diagnostizieren oder Daten sichern – ohne Ihre bestehende Installation zu verändern. Diese Anleitung führt Sie Schritt für Schritt durch Download, Verifikation, Erstellung eines startfähigen USB‑Sticks und den Start („Boot“) vom Stick am Beispiel der beliebten Distribution Linux Mint. Zusätzlich erhalten Sie kompakte Erklärungen zu ISO‑Dateien, Secure Boot und häufigen Problemen.
Eine kurze Anleitung können sie nachfolgend lesen oder hier als PDF herunterladen.
Voraussetzungen schaffen
- Ein USB‑Stick mit mindestens 8 GB (besser 16 GB).
- Ein PC oder Notebook, auf dem Sie vom USB‑Stick starten dürfen (Boot‑Menü/UEFI‑Zugang).
- Eine stabile Internetverbindung für den ISO‑Download.
- Für die Erstellung unter Linux Mint: Bordmittel („USB Image Writer“) oder balenaEtcher (AppImage).
- Für die Erstellung unter Windows (optional): Rufus (Portable‑Version möglich).
Kurz erklärt: ISO‑Datei & Live‑System
Eine ISO‑Datei ist ein 1‑zu‑1‑Abbild eines Installationsdatenträgers (z. B. DVD). Sie kopieren diese Datei nicht einfach auf den USB‑Stick, sondern schreiben sie als Abbild. Erst dadurch wird der Stick bootfähig. Beispiel: „linuxmint‑22.1‑cinnamon‑64bit.iso“.
Ein Live‑System startet direkt vom USB‑Stick in den Arbeitsspeicher (RAM). Standardmäßig bleiben Ihre Änderungen nach einem Neustart nicht erhalten. Das ist ideal zum Testen und Reparieren, ohne vorhandene Daten oder Systeme anzurühren.
Schritt 1: Linux‑Mint‑ISO laden und verifizieren
- Downloadquelle – Öffnen Sie die offizielle Download‑Seite von Linux Mint und wählen Sie Edition (z. B. Cinnamon) sowie Architektur (meist 64‑Bit) – https://linuxmint.com/download.php
- Download – Laden Sie die ISO‑Datei herunter. Notieren Sie sich den Speicherort.
- Integrität prüfen (empfohlen)- Öffnen Sie unter Windows die Kommandozeile (cmd.exe) und vergleichen Sie die offiziell veröffentlichte Prüfsumme mit der Ausgabe des Befehls: „certutil -hashfile C:\Pfad\zu\linuxmint.iso SHA256“ (weitere Möglichkeiten mit PowerShell))
Schritt 2: USB‑Stick erstellen – drei Wege
Unter Linux Mint sind die Bordmittel am einfachsten – natürlich nur, wenn Sie bereits Zugriff auf ein laufendes Linux-Mint-System haben. Unter Windows bieten sich balenaEtcher (Linux/Windows/macOS) oder Rufus (nur unter Windows; auch als portable Installation möglich) an.
Variante A (Linux Mint): USB Image Writer („Mintstick“)
- Starten Sie den „USB Image Writer“ (Menü → Zubehör → USB Image Writer).
- Wählen Sie die ISO‑Datei („Quelle“) und Ihren USB‑Stick („Ziel“).
- Klicken Sie auf „Write“. Der Stick wird vollständig überschrieben und bootfähig gemacht.
Variante B (Linux/macOS/Windows): balenaEtcher
- Laden Sie balenaEtcher als AppImage für Linux herunter und machen Sie es ausführbar (Rechtsklick → Eigenschaften → Zugriffsrechte → „Datei als Programm ausführen“).
- Starten Sie Etcher und klicken Sie auf „Flash from file“, wählen Sie die ISO.
- Wählen Sie „Select target“ und markieren Sie den richtigen USB‑Stick.
- Klicken Sie auf „Flash“. Der Stick wird erstellt.
Variante C (Windows): Rufus (portable)
- Stecken Sie den USB‑Stick an und starten Sie Rufus (Portable möglich, keine Installation nötig).
- Wählen Sie bei „Gerät“ Ihren USB‑Stick und bei „Startauswahl“ die ISO‑Datei.
- Partitionsschema: Für moderne UEFI‑Geräte in der Regel „GPT“. Zielsystem: „UEFI (ohne CSM)“.
- Klicken Sie auf „Start“ und folgen Sie den Hinweisen. Achtung: Der Stick wird vollständig überschrieben.
Schritt 3: Vom USB‑Stick booten
- Lassen Sie den USB‑Stick eingesteckt und starten Sie den Rechner neu
- Öffnen Sie das Boot‑Menü (oft F12, Esc, F8, F10 oder Del – je nach Hersteller) und wählen Sie den USB‑Stick als Startgerät.
- Falls der Stick nicht angeboten wird: Gehen Sie ins UEFI/„BIOS“, aktivieren Sie USB‑Boot und stellen Sie die Bootreihenfolge so ein, dass USB vor der internen Festplatte steht.
- Bei einer „Secure Boot“-Meldung: Aktualisieren Sie nach Möglichkeit die Firmware oder deaktivieren Sie Secure Boot vorübergehend. Aktivieren Sie es nach dem Test wieder.
Schritt 4: Live‑System nutzen – ohne etwas zu verändern
- Wählen Sie im Startmenü des Sticks „Start Linux Mint“ oder „Try without installing“.
- Sie landen auf dem Mint‑Desktop und können Internet, Programme und System testen, ohne Ihre Festplatte zu verändern.
- Möchten Sie dauerhaft umsteigen, starten Sie später die Installation über das Desktop‑Symbol. Erst dann werden Änderungen auf der Festplatte vorgenommen.
Troubleshooting (kurz & praxisnah)
- USB‑Stick erscheint nicht im Boot‑Menü: Anderen USB‑Port testen (USB‑A statt USB‑C), anderen Stick verwenden, USB‑Boot im UEFI aktivieren, Firmware aktualisieren.
- Schwarzer Bildschirm oder Abbruch beim Start: Prüfsumme der ISO prüfen, Stick neu schreiben, im Bootmenü „Compatibility Mode“ oder Startparameter wie „nomodeset“ testen.
- Secure‑Boot‑Fehler: Firmware/UEFI aktualisieren oder Secure Boot vorübergehend deaktivieren; nach erfolgreichem Test wieder aktivieren.
- WLAN fehlt oder Tastatur‑Layout passt nicht: Im Live‑System Treiber/Netzwerkoptionen prüfen und das gewünschte Tastaturlayout einstellen (Systemeinstellungen → Tastatur).
- Uhrzeit falsch: Zeitzone in den Systemeinstellungen setzen oder Internetzeit aktivieren.
FAQ – häufige Fragen
- Verändert der Live‑Betrieb meine Festplatte? Nein. Solange Sie nicht die Installation starten, arbeitet das System im RAM und nimmt keine Änderungen an Ihren Laufwerken vor.
- Kann ich Dateien speichern? Ja, auf andere Datenträger (z. B. externe Festplatte). Ohne Persistenz gehen Änderungen auf dem Live‑Stick nach einem Neustart verloren.
- Was ist der Unterschied zwischen UEFI und BIOS? UEFI ist der moderne Firmware‑Standard, der das klassische BIOS ablöst. Viele Geräte nutzen UEFI mit Secure Boot, was zusätzliche Schutzmechanismen bietet.
- Welche Taste öffnet das Boot‑Menü? Das ist je nach Hersteller unterschiedlich (häufig F12, Esc, F8, F10 oder Del). Achten Sie auf Bildschirmhinweise beim Einschalten.